Der Lehrer Joachim Linde, durch und durch Pädagoge, führt ein scheinbar gutes Leben: mehr oder minder glücklich verheiratet, zwei Kinder, bereits aus dem Haus, erfolgreich im Beruf. Könnte sich nach solidem Mann im besten Alter anhören. Solange nicht nach außen dringt, was Fakt ist, denkt sich der Protagonist und wohl auch gleich der Leser nach dem ersten Kapitel: Denn nach und nach tun sich Abgründe auf, die Arjouni nur fast wie nebenbei erwähnt, was dieses Buch so besonders macht. Eine Tochter, die den Vater mit Vorwürfen konfrontiert und kurzerhand samt Lover nach Italien durchbrennt, ein „zu verweichlichter“ Sohn, der nicht den Vorstellungen des Vaters entspricht, eine hysterische Frau, die mit ihrer Psyche zu kämpfen hat und eine Schulstunde zum Thema „Drittes Reich – Schuldfrage“, die Joachim Linde unfreiwillig zum Verhängnis wird.
Arjouni beschreibt in seiner typisch nüchternen Erzählweise ironisch und sehr hintergründig das gescheiterte Leben eines Mannes, der wohl feststellen muss, nicht unfehlbar zu sein, nicht alles mittels selbstgerechten Halbwahrheiten schön reden zu können, um sich so über Wasser zu halten.
EUR 9,90
Kartoniert; Roman; 188 Seiten; Diogenes; EAN 978-3-257-23504-3 Alle Preise verstehen sich inkl. Mehrwertsteuer / versandkostenfrei
Eine Liebesgeschichte, die auch noch in Paris spielt, könnte man als altbekannten Kitsch abtun – doch der Roman von Nicolas Barreau belehrte mich eines Besseren. Es ist die schöne Geschichte der jungen Restaurantbesitzerin Aurelie. Gerade nicht vom Glück verfolgt, sondern vom Freund wegen „der Frau seines Lebens“ sitzengelassen, stolpert sie während eines verzweifelten Streifzugs durch die „Stadt der Liebe“ in einer kleinen Buchhandlung über das „Lächeln der Frauen“ – und über ihr eigenes Lächeln: Denn Aurelie muss zu ihrer Verwunderung feststellen, dass da nicht nur ihr Restaurant in detailgetreuer Qualität beschrieben wird, sondern mit der Frau im grünen Seidenkleid und dem schönen Lächeln auch sie selbst gemeint ist. Dieses mysteriöse, aber so verlockende Geheimnis muss gelüftet werden und so macht sie sich auf die nicht ganz leichte Suche nach dem Autor…
Eine schön verträumte Frühlingslektüre, die Pariser Flair und das „Frischverliebtgefühl“ perfekt einfängt.
EUR 9,99
Kartoniert; Roman; 333 Seiten; Piper; EAN 978-3-492-27285-8 Alle Preise verstehen sich inkl. Mehrwertsteuer / versandkostenfrei
1989: Im Alter von 22 Jahren kehrt Amélie Nothomb wieder nach Japan, dem Land ihrer Kindheit, zurück. Sie bietet zunächst Nachhilfeunterricht für Französisch an, um so auch ihre Japanischkenntnisse verbessern zu können. Ihr erster und einziger Schüler ist der gleichaltrige Rinri, wohlerzogener Sohn eines Konzernchefs. Er kann schon nach einiger Zeit Amélies Herz erobern und die beiden werden ein Paar…
Der „japanische Verlobte“ bringt der jungen Belgierin Kultur und Eigenheiten seines Landes näher, was Nothomb mit genauer Beobachtungsgabe erzählt. Die oft humorvollen Schilderungen ganz alltäglicher Situationen sind mit Selbstironie gespickt, wodurch auch Differenzen zwischen der japanischen und europäischen Lebensweise deutlich werden. Dieser autobiographische Roman ist jedoch eine Hommage an Japan: Eine feinabgestimmte Erzählung aus einzigartiger Kultur neben oft befremdlicher Andersartigkeit. Eine wunderbar leichtfüßige Liebesgeschichte, die auch noch Landeskunde vermittelt!
EUR 18,90
Gebunden; Roman; 162 Seiten; Diogenes; EAN 978-3-257-06746-0 Alle Preise verstehen sich inkl. Mehrwertsteuer / versandkostenfrei