„Ihr seid Eltern. Steht dazu."

 

Familienberater Jan-Uwe Rogge muntert die Eltern pubertierender Kinder auf

Erschienen in: Ipf- und Jagst-Zeitung Ellwangen vom 19. Januar 2012

ELLWANGEN (R.) - Er ist ein großartiger Alleinunterhalter mit ausgeprägten kabarettistischen und
schauspielerischen Fähigkeiten, dieser Jan-Uwe Rogge, promovierter Verhaltenswissenschaftler und
einer der bekanntesten deutschen Experten in Sachen Erziehung.

 

Seine Bücher sind Bestseller, seine Vorträge heiß begehrt, und wer Rogge am Dienstagabend in der
ausgebuchten Buchhandlung Rupprecht zum Thema „Pubertät - Loslassen und Haltgeben" lauschte,
weiß spätestens jetzt, warum. Der bei Hamburg lebende Familien- und Kommunikationsberater gab keine
drögen Besserwisser-Tipps für verzweifelte Mütter und gestresste Väter. Er gewann seine Zuhörer („Eltern
pubertierender Kinder sehen so aus wie Sie") im Sturm für sich mit lebensnahen Statements wie
„Dein Kind lächelt dich an, du lächelst zurück, und du denkst, es bleibt so bis zur Verlobung". Es
bleibt natürlich nicht so.

 

Mit elf sind sie noch nett, plötzlich sind sie dreizehn und mutieren über Nacht zu muffelnden „Testosteronbombern"
und rebellischen „Östrogenzicken". Rogge bemühte den Vergleich mit jungen Hummern,
die sich in stickige Höhlen zurückziehen, vor denen genervte Mütter auf- und abpatrouillieren
und vergebens um Gelassenheit ringen, „obwohl sie Yoga gemacht haben".

Jan-Uwe Rogge zu Gast in der Buchhandlung Rupprecht in Ellwangen

Jan-Uwe Rogge.                                         FOTO: RAPP

„Forever young" geht nicht

 

Charmant und verschmitzt lächelnd verpackte er bittere Pillen in launige Sprüche wie: „Versuchen
Sie nicht, forever young zu sein". Denn Pubertierende wollen Eltern mit dem Mut zum Älterwerden,

die nicht Freunde ihrer Kinder sein wollen - „funktioniert nicht!" -, die Grenzen setzen. „Freiheit an sich
macht Angst."

 

Der Hafen ist wichtig, und das sind die Eltern" - die aus Liebe und Verantwortung auch mal Nein sagen
sollten. Rogge ging in liebevoller Strenge mit den Müttern um, die stets nur das Beste wollen („ätzend!"
aus Sicht halbwüchsiger Kinder), bescheinigte Vätern eine „gewisse Gelassenheit" und listete
verpönte Vatertypen wie den Kumpel-, den Wischi-Waschi-Typ und den General auf, der sich erst last
minute mit den Vokabeln „Lernen, Schule, Hausaufgaben" in die Erziehung einklinkt. „Es gibt ein Leben
jenseits der Schule", rief er seinem inzwischen sehr vergnügten Publikum fröhlich zu. Zwischen Freiraum
und Konsequenz brauchen Eltern Haltung, Dankbarkeit und Demut: „Die erdet". Wichtig sei, „den
Gedanken von Machbarkeit" loszulassen: „Drehen Sie auch mal durch. Es gibt Licht am Ende des Tunnels,
aber manchmal ist das auch der entgegenkommende Zug".
 
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Schwäbische Post Ellwangen vom 21. Januar 2012: Pupertät kann Spaß machen