Logik mit Mut
Daniel Goeudevert in der Buchhandlung Rupprecht
Von Andrea Kaufmann
Die Seerose - eine wahre Schönheit und Meisterin der Selbstdarstellung, dabei aber eine Wucherpflanze,
die ihrem Untergrund im Extremfall so viele Nährstoffe entzieht, dass sie ihre eigene Lebensgrundlage
zu zerstören droht. Daniel Goeudevert, ehemals Topmanager in der Automobilindustrie,
vergleicht das Handeln eines Großteils unseres Managements mit dieser Pflanze und warnt eindringlich
vor den verhängnisvollen Folgen des Wachstums ins vermeintlich Unendliche. In der Buchhandlung
Rupprecht stellte Goeudevert am Freitagabend sein neues Buch „Das Seerosen-Prinzip" vor und hinterließ
ein nachdenkliches Publikum.
Was ist eine Vision? Ganz einfach, Logik mit Mut! Der gebürtige Franzose Daniel Goeudevert, innerhalb
kürzester Zeit in die obersten Chefetagen weltweit agierender Autokonzerne aufgestiegen, ist ein solcher
Visionär, dabei logisch denkend und mit Mut auftretend. Nicht erst nach seinem Rückzug aus dem
Spitzenmanagement war er als Querdenker und Paradiesvogel bekannt, und erntete gerade ob seiner
ungewöhnlichen Ideen nicht immer nur Lob. Inzwischen ist er ein viel gelesener Autor, der in seinen
Schriften eine schonungslose Bestandsaufnahme der weltwirtschaftlichen Situation darstellt. Die sich
unserer Gesellschaft derzeit bietenden Perspektiven erörtert er dabei schonungslos vor allem unter
Berücksichtigung moralischer Kriterien aber auch unter dem Diktat wachsender Umweltprobleme und
schwindender Rohstoffe.
Wortgewandt und unheimlich charmant: Daniel Goeudevert
„Es wäre so einfach die Zukunft richtig vorherzusagen, wenn Versprechen eingehalten würden",
wirft Goeudevert provokativ in den Raum und spielt damit auf Wahlversprechen der Politiker an. Beide,
Wirtschaft und Politik, hätten eine Verantwortung der Gesellschaft gegenüber, doch was zähle, sei oftmals
nur der Ausgang der nächsten Wahl oder aber das Einsparen von Kosten - sehr oft zu ungunsten des Menschen.
Goeudevert plädiert für eine verbesserte Wirtschaftsethik und zeigt anhand von Beispielen, dass
gerade das Einbeziehen und Motivieren von Mitarbeitern und Kunden das einzig zukunftsträchtige Erfolgsrezept
für die Wirtschaft sei.
Die erst kürzlich überstandene Wirtschaftskrise dagegen habe gezeigt, wohin die unermessliche Gier
nach immer mehr Konsum und natürlich auch Geld führen könne. Auch die scheinbar immer weiter
um sich greifende Globalisierung habe schon bald ein Ende: „Unsere Erde ist rund, wir kommen irgendwann
wieder am gleichen Ort an!" , so der vergnüglich vorgetragene, aber durchaus ernst gemeinte Vergleich
des Redners. Es werde in relativ kurzer Zeit ein neues Phänomen eintreten: Nicht zuletzt aufgrund
der immens steigenden Transportkosten, aber auch der gestiegenen Lebensansprüche in den Schwellenländern,
werde es zu einer Relokalisierung kommen, zu einem Transfer der Produktion wieder zurück in die
Abnehmerländer.
Daniel Goeudevert präsentierte sich dem zahlreich erschienenem Publikum als wortgewandter, dabei
unheimlich charmant auftretender Fachmann nicht nur für Fragen der Wirtschafts- und Politikethik, der
ohne sichtlich erhobenen Zeigefinger, aber doch mahnend wohl bei vielen der interessiert lauschenden
Zuhörern einiges Grübeln auslösen konnte. Dass Gouedevert die einladende Buchhandlung Rupprecht als
beispielgebenden Arbeitgeber bezeichnete, freute Inhaberin Maria Rupprecht sichtlich.
