Krise schreit nach Kulturwandel

Alois Glück las bei Rupprecht aus Buch „Warum wir uns ändern müssen"

Erschienen in: Straubinger Tagblatt vom 17. November 2011 

Was kommt heraus, wenn der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ein Buch
schreibt? Was, wenn ein langjähriger bayerischer Landtagsabgeordneter, ja Parlamentspräsident, zur
Feder greift? Was kommt heraus, wenn der heute 71-jährige, von Angela Merkel in die Ethikkommission
für eine sichere Energieversorgung berufene Bayer Alois Glück ein Buch schreibt? Konservativ? Traditionell?
Nein! Alois Glück würde nicht als „Vordenker" bezeichnet.

 

 Als „Philosoph der CSU" bezeichnete ihn Maria Rupprecht, Chefin der bei der Lesung aus seinem Buch
vollbesetzten Buchhandlung Rupprecht. Glück ist bekannt als scharfer Analytiker in Wirtschafts- wie
auch in Gesellschaftsbelangen, aber auch als Visionär. Er zieht aus seinen Beobachtungen Folgerungen.
In seinem Buch „Warum wir uns ändern müssen" sieht er nur in einem grundlegenden Wandel im Lebensstil,
bei dem es um mehr als um Wohlstand geht, „Wege zu einer zukünftigen Kultur". So lautet auch
der Untertitel seines Buches.

 

Die Lesung aus seinem Buch war eher ein Vortrag, der erahnen ließ, dass seine Zeilen ihm eine Herzensangelegenheit
sind. Er legte Wert darauf, dass der Abend „keine Einbahnstraße bleibt". Er suchte den
Gedankenaustausch mit dem Publikum. Kritik übte er am Kapitalismus als Ursache der momentanen
Finanzkrise. Werteorientierte Ziele und Leitbilder nicht zuletzt in den Führungsschichten seien unverzichtbar,
soll Politik nicht zu einem reagierenden Agieren verkümmern.

 

 

„Warum wir uns ändern müssen" heißt das Buch von Alois Glück, aus dem er in der vollbesetzten Buchhandlung vorlas.

Mit im Bild ist die Chefin der Rupprecht-Buchhandlungen, Maria Rupprecht.

Es dürfe nicht verkannt werden, dass die Dominanz des Westens sich dem Ende neige. Glück appelliert an
ein dringend notwendiges Umdenken. Ein handlungsfähiges Europa sei weltweit seiner Ethik und Kultur
verpflichtet. Seine historische Aufgabe müsse sein, Grundlagen einer Kultur Platz zu machen, die geprägt
ist von Verantwortungsübernahme, Urteilsfähigkeit und Engagement.

 

Demokratie sei nur mit engagierten Menschen möglich, und da kommt der Katholik Glück zu Wort, wenn

er von der „Tugend des Maßhaltens" spricht. Über allem müsse das Leitthema „Orientierung für die Zukunft"
stehen. Auf den Punkt gebracht heiße dies Nachhaltigkeit, weg von kurzzeitigem Denken; dies
habe sich in der letzten Zeit deutlich als kontraproduktiv gezeigt. Es gelte, Zukunftsverantwortung zu übernehmen
in allen Bereichen, sei dies Kultur oder Natur. Nur so könne sich auf Dauer nachhaltig eine starke
Leistungs- und Sozialkultur festigen, aus der die nötige Innovationskraft für die Zukunft erwachse.

 

Die Konsequenz sei eine Entwicklung in Führungsschichten oder in der Forschung, die ebenfalls auf das
„Morgen" ausgerichtet ist. Nicht mehr „schneller, höher, weiter" dürfe gelten, sondern eine Veränderung
vom Quantitäts- hin zum Qualitätsdenken.

 

Und hier stand abschließend zum engagierten Vortrag, den man Alois Glück als Ausdruck seiner Lebenseinstellung
gerne abnahm, der Appell an die Familienpolitik. Diese müsse im Mittelpunkt der Sozialpolitik
stehen, um von der kleinen Zelle aus, der Erziehung, zu Verantwortungsübernahme in der Gemeinschaft
zu motivieren, Lebensstil auf die Kultur der Nachhaltigkeit hin auszurichten und so die Grundlage
für eine gesunde, friedliche Zukunft zu legen.

 

So philosophisch die Ausführungen Alois Glücks auch waren, so praxisorientiert gab er sich schließlich
in einer heftig geführten Aussprache mit den interessierten Zuhören, wenn es um ganz präzise Themen
im Anschluss ging. - hab -